Warum verlangen selbstständige Frauen oft zu wenig? Mit Andrea Stoica gegen den Gender Pay Gap (Teil 1)

111_Interview Andrea STOICA Teil 1.mp3
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Speaker 1
00:18 - 00:36
Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, zu unserem Podcast Live & Gründen, wo es jede Woche ums Gründen und um die Selbstständigkeit geht. Auch heute wieder geht es um diese Themen. Und bei mir an der Seite ist wieder mein Co-Host, der Gründungsberater Camillo Patzl. Hallo, lieber Camillo.

Speaker 1
00:36 - 00:44
Hallo, liebe Hörerinnen, lieber Hörer. Willkommen bei dieser Podcast-Folge. Auch dir. Ja, ich freue mich, dass wir uns wieder hören, lieber Günther.

Speaker 1
00:44 - 00:54
Aber heute ist sehr speziell. Wir haben eine ganz besondere Person heute mit dabei. Richtig, wir haben einen Gast. Eine Gästin.

Speaker 1
00:54 - 00:56
Gästin? Gast? Ist egal. Die Andrea ist da.

Speaker 1
00:56 - 01:02
Die Andrea Scholke ist da. Und die Andrea... Zuerst mal, hallo Andrea. Hallo, liebe Andrea.

Speaker 1
01:02 - 01:23
Hallo, grüßt euch beide. Ja, wir haben Sie eingeladen, nämlich um über ein spannendes Thema zu sprechen. Die Andrea ist Expertin für den Gender Pay Gap und warum das wichtig ist und warum uns das in der Selbstständigkeit betrifft. Vor allem natürlich GründerInnen, also Gründerinnen ohne Pause.

Speaker 1
01:23 - 01:36
Darüber werden wir noch sprechen. Aber Andrea, ich würde vorschlagen, stell dich ganz am Anfang kurz vor. Wer bist du, was machst du und warum interessiert dich dieses Thema so sehr? Ja, vielen Dank.

Speaker 1
01:36 - 02:07
Ich freue mich erst mal für die Einladung und ich freue mich auf das Gespräch mit euch mal vorab. Also ja, mein Name ist Andrea Stoiker und ich komme ursprünglich, habe ich BWL studiert und danach im Anschluss über 20 Jahre im Corporate Angestelltenverhältnis als Personalleiterin gearbeitet und bin jetzt aber im sechsten Jahr in der Selbstständigkeit. Das heißt, ich kenne auch ganz gut beide Seiten und das schon mal zum Hintergrund. in die Selbstständigkeit gekommen, bin ich tatsächlich mit dir an meiner Seite.

Speaker 1
02:07 - 02:16
Das stimmt, genau. Und daher kennen wir uns auch. Und das war eine absolut richtige Entscheidung für mich. Ich habe mit dem Gedanken schon länger gespielt.

Speaker 1
02:16 - 02:38
Was mache ich? Ich mache auf der einen Seite Interimsmanagement im HR-Bereich, also im Human Resources-Bereich. Aber mein Hauptschwerpunkt und mein Fokus auch jetzt für die nächste Zeit ist definitiv, Frauen zu begleiten hinsichtlich Positionierung und Finanzen, Vermögensaufbau. Und das bezieht sich auf eine Art Mentoring.

Speaker 1
02:38 - 03:01
Ich habe da auch Coaching-Anteile drin, aber mein Fokus ist definitiv die Beratung, die Mentorentätigkeit, weil ich wirklich auch sehr umsetzungsaffin bin, sagen wir das mal so. Und der Gender Pay Gap an und für sich, erstmal vielleicht zur Klärung, was ist das? Das ist ja die Einkommenslücke praktisch zwischen Männern und Frauen für die gleiche Position. und mit der gleichen Qualifikation.

Speaker 1
03:02 - 03:21
Also das ist jetzt mal ganz allgemein gesprochen. De facto ist es so, im Angestelltenverhältnis, da gibt es viel mehr Untersuchungen und Analysen, da kann man viel mehr Daten sich anschauen dazu. Und es gibt etliche Bewegungen, Bestrebungen, dieses Gap etwas zu reduzieren. Im Selbstständigkeitsbereich ist die Lücke noch viel größer.

Speaker 1
03:23 - 03:38
Und das hat ganz unterschiedliche Gründe. Ich meine, nur um jetzt ein paar Zahlen auch ein bisschen reinzuwerfen, so als Basis. Wir reden hier von circa 20 bis 40, das variiert sehr stark. Einkommenslücke, also Lohnlücke auch.

Speaker 1
03:38 - 04:06
Unbereinigt, ja, man unterscheidet da technisch auch nur mit dem bereinigten und unbereinigten Wert, aber da gehen wir jetzt nicht rein, außer ihr wollt das hören. Und in der Selbstständigkeit im Dachraum, nur mal so in den Raum geworfen, reden wir da bei der Preiskonstellation von circa 60 Prozent. Darf ich dich kurz unterbrechen, Andrea? Also ich in meinen Beratungen oder als Angestellter hat man ja oft einmal das Gefühl, okay, ich bin nicht sicher, vielleicht verkaufe ich mich unter Wert und so weiter.

Speaker 1
04:07 - 04:35
Also das Gefühl kennt man ja. Aber Gender Pay Gap ist nochmal was anderes. Also das ist jetzt sozusagen nicht mehr ein subjektives Gefühl, so wie du gesagt hast, sondern es lässt sich tatsächlich auch mit Daten bewerten. Und da würde ich sozusagen nochmal gerne nachfragen, was ist denn jetzt der Unterschied zwischen dem subjektiven Gefühl, nein, ich weiß nicht, ob ich sozusagen damit irgendwie ein Thema habe, dass ich mich unter Wert verkaufe, und dem Gender Pay Gap jetzt als übergreifendes, systemisches Phänomen sozusagen.

Speaker 1
04:36 - 05:04
Also de facto ist es so, wenn du das Gefühl hast, du bist unterbezahlt oder so, dann hast du ja Möglichkeiten, das rauszufinden. Es gibt auch viele Jobportalen und so weiter, da kannst du mal Einkommensbandbreiten dir geben in den verschiedenen Branchen etc. Wenn du dann die Zahlen und Daten dazu siehst, dann weißt du, hat dein Gefühl recht gehabt oder nicht. Das heißt, es geht ja nur um die Bestätigung praktisch auf dem Blatt Papier in Zahlen. Das ist ja ein sehr harter Effekt, den man sich da ja anschauen kann.

Speaker 1
05:04 - 05:41
Das heißt, der Gender Pay Gap an und für sich ist etwas, was entstanden ist über viele Jahrzehnte, wo die Gehaltsentwicklung, die Einkommensentwicklung, die Preisentwicklung im selbstständigen Bereich einfach auseinandergegangen ist. Das heißt, es hat immer schon, wir kommen ja aus einer Historie, da müsste ich jetzt ganz weit ausführen, das möchte ich gar nicht, aber Frau, Mann und so weiter, wer hat gearbeitet, wer war zu Hause und so weiter, also wir kommen aus dem ganz traditionellen Bild und da hat es schon angefangen praktisch. Die Männer haben verdient und aufgrund dessen sind die auch eher selbstständig geworden und haben die Preise aufgerufen und das hat sich nach oben entwickelt.

Speaker 1
05:41 - 06:13
Und bei Frauen, die sind erst viel später da eingetreten überhaupt in die ganze Konstellation und dann immer natürlich mit vielen traditionsbehafteten, sage ich mal, Mindset, Glaubenssätzen, Einstellungen, Erfahrungen, wie man aufgewachsen ist. Da spielt so viel rein, ja. Jetzt könnte man natürlich sagen, wenn man ganz naiv ist und kein alter weißer Mann ist, dann könnte man sagen, na bitte in der Selbstständigkeit, du bestimmst ja deine Preise selbst. Wo ist da das Problem?

Speaker 1
06:13 - 06:36
Also von mir aus lasse ich mir noch einreden in der Anstellung Gender Pay Gap, aber als Selbstständiger, dann müsste dieses Phänomen ja eigentlich verschwinden, oder Andrea? Doch, im Gegenteil, das ist noch viel stärker. Und da möchte ich ein paar Punkte nennen, zum Beispiel im Corporate-Verhältnis, im Angestelltenverhältnis, gibt es ja einen direkten Chef, mit dem man zu tun hat oder Chefin. Es gibt die Human Resources Abteilung, die Personalabteilung.

Speaker 1
06:36 - 06:57
Und es gibt womöglich noch einen Betriebsrat. Das heißt, da hat man auch noch Schutzsysteme um sich herum, Ansprechpartner direkt. In der Selbstständigkeit ist man normalerweise alleine unterwegs. Da hat man kaum Sparing, da hat man niemand, wo man hingehen kann und sagen kann, hey, findest du ich bin zu billig oder so, oder wie kann ich meine Preise erhöhen, oder ich hab das Gefühl, ich verlag zu wenig, wie komme ich an die Daten, was sagen meine

Speaker 1
06:57 - 07:18
Konkurrenten, was macht der Wettbewerb, wie schaut der Markt aus, was kann ich verlangen. Aber es fängt ja bei den Frauen noch viel weiter vorne an, Was kann ich verlangen? Für welche Art und Tätigkeit? Frauen leiden ja chronisch unter der Einstellung, ich habe noch nicht die Qualifikation und ich habe das Zertifikat noch nicht und ich habe die Ausbildung noch nicht.

Speaker 1
07:18 - 07:40
Und ich meine, ich möchte jetzt ein bisschen plakativ sagen, aber das trifft es ganz gut. Als Mann setze ich mich rein und sage, das sind meine Preise, das ist mein Wert. Und als Frau sage ich, ja, ich könnte das machen, ich könnte da helfen, ich könnte das tun und das könnte ich übernehmen und da könnte ich was tun. Allein schon, der merkt das Miteinander und das schließt halt an die Positionierung an.

Speaker 1
07:40 - 08:09
Das heißt, mein Bestreben ist neben dem Gender Pay Gap und neben diesen Preislücken, die wir einfach haben am Markt aktuell noch, wird sicherlich auch noch eine Zeit lang dauern, bis man da noch die Lücke noch mehr schließen, sagen wir es mal so, obwohl es ja sowas wie Entgelttransparenzgesetz für Europa gibt und so weiter. Das heißt, es gibt schon ein paar Sachen, die das unterstützen zukünftig. Nichtsdestotrotz, an jedem Einzelnen liegt es, an jeder einzelnen Frau, die kann was dafür tun, unabhängig der ganzen anderen Systeme.

Speaker 1
08:09 - 08:30
Und das ist das, wo ich sage, Positionierung, Wert, das sind Punkte, wo man als Frau sich zurückbesinnen darf, was man eigentlich alles schon in seinem gepackten Köfferchen hat und wer man ist. Und das fällt Menschen grundsätzlich viel, viel leichter. Ich würde gerne deine Meinung dazu hören, Camillo. Ich würde das tendenziell bestätigen.

Speaker 1
08:31 - 08:58
Ich habe ja sowohl Männer als auch Frauen. Nicht jeder Mann ist gleich, nicht jede Frau ist gleich. Aber tendenziell würde ich sagen, stimmt das schon. dass die Frauen eher diejenigen sind, die sagen, ich brauche noch diese Qualifikation, ich brauche noch diese Weiterbildung und die auch sozusagen nicht irgendwann ankommen, sondern sagen, das geht im Prinzip immer weiter in meiner Entwicklung, ich muss meinen eigenen Wert sozusagen noch untermauern und bei Männern ist das nicht

Speaker 1
08:58 - 09:21
so ausgeträgt ein Thema. Ist das auch deine Erfahrung, Camillo? Hätte ich auch so wahrgenommen. Das, was mir auch aufgefallen ist, ist, kann ich nicht sagen, woher das kommt konkret, aber dass vielleicht die weiblichen Gründerinnen eher dazu neigen, sich auf das Gegenüber zu konzentrieren.

Speaker 1
09:21 - 10:18
Wie kann ich der Person oder meinen zukünftigen Kunden, Kundinnen helfen, sie unterstützen und dann weniger auf das hinzuschauen, was sie vielleicht an eigenen Kosten haben, betrieblich betrachtet, und sich vielleicht da schon sogar nahe der Kostengrenze oder unterhalb dieser Kostengrenze zu bewegen. Anstatt sozusagen sich das auch zu gönnen in der Selbstständigkeit, dass man sagt, naja, nicht nur für mich, sondern eben für alle anderen habe ich da einen Wert, den ich dem anderen ja verkaufe und somit solle ich auch leben und es Spaß machen und ich das auch lang machen können. Wenn man darüber spricht oder sozusagen diese Zahlen dann aufgreift, dann wird das Bild oft klar oder findet so einer Bewusstseinswandel statt.

Speaker 1
10:18 - 10:50
Aber die Frage vielleicht an dich, Andrea, wenn man jetzt so dieses Dilemma für sich ausmacht oder unsere Hörer, Hörerinnen stellen da irgendwie so für sich fest, ja, ich habe jetzt Positionierung gehört, ich habe jetzt sozusagen diesen Gap gehört, der da im Raum steht, Wie kann man dieses Dilemma durchbrechen? Oder ist es tatsächlich dieses Werteverständnis? Oder wo ist deine Erfahrung, könnte man ansetzen, um sich da ein Stück weit rauszubewegen?

Speaker 1
10:50 - 11:25
Also, wie gesagt, es gibt definitiv gute Möglichkeiten und Strategien. Der erste Weg für die Veränderung ist ja immer die Reflektion, das heißt die Status-Quo-Analyse, wo stehe ich und was tue ich, dass man sich dessen überhaupt bewusst wird. Also wie du schon sagst, wenn Wenn jemand jetzt da zuhört und das Gefühl hat, ja, da könnte was dran sein oder es interessiert mich, dann ist der erste Weg erstmal rauszufinden, ist mein Gefühl auch richtig, also stimmt das auch bei mir, verlange ich zu wenig oder wie gestalte ich meine Produkte und so weiter, wie verkaufe ich meine Dienstleistungen etc. und dann zu sehen, okay, Am besten, wen kann ich mir an die Seite holen, der mich dadurch begleitet durch den Prozess.

Speaker 1
11:25 - 11:51
Weil das sind ja viele Bausteine, die da zusammenkommen. Aber de facto ist es so, dass einfach die Art und Weise, wie man seine Produkte zusammenstellt, das heißt, was kostet wie viel und das gegen Geld, also Geld gegen Zeit zu tauschen zum Beispiel oder gegen Ziele zu verkaufen und so weiter. Das sind Ansatzpunkte, wo ich sage, das ist die eine faktische Ebene, um tatsächlich da rauszukommen aus dieser großen Lücke. Das andere ist aber auch tatsächlich, wer bin ich?

Speaker 1
11:52 - 11:58
Also dieses Selbst, sich selber bewusst werden. Das heißt, was habe ich gemacht? Was bringe ich mit? Was ist meine Erfahrung?

Speaker 1
11:58 - 12:23
Wie kann ich es verkaufen? Also auch auf der einen Seite, das habe ich tatsächlich schon alles, unabhängig von den ganzen Zertifikaten, die ich vielleicht noch nicht habe oder gar nicht habe. Aber auch die Tatsache, dass ich mich auf das konzentriere und fokussiere, was ich mitbringe und was meine Stärken sind und warum es mich im Markt geben muss, warum genau ich Menschen mit dem und dem helfen kann. Also sich selber viel mehr in den Vordergrund stellen.

Speaker 1
12:23 - 12:41
Das ist bei Selbstständigen so, so wichtig, dass sie wissen, für was sie antreten da draußen. Wir haben viel Konkurrenz in allen möglichen Bereichen, vor allem im Coaching-Bereich, wenn man jetzt das klassische Coaching nennt. Aber der eine Strang ist definitiv die Persönlichkeitsarbeit, die definitiv das Mindset beinhaltet. Ja, wo stehe ich?

Speaker 1
12:41 - 12:49
Wer bin ich? Bin ich mir dessen bewusst? Mir selber bewusst? Und das Zweite ist tatsächlich faktisch, händisch, taktisch, strukturell.

Speaker 1
12:49 - 13:08
Was kann ich tun? Ist da dieses Nein-Sagen oder bewusst sozusagen auch Abzusagen auch ein Thema, was du verortest? Absolut. Also Frauen neigen ja eher dazu, konfliktscheu zu sein.

Speaker 1
13:09 - 13:25
Männer haben eher weniger Probleme, zu irgendwas Nein zu sagen oder zu sagen, nee, zu dem Preis nicht. Als Frau versucht man immer, da noch einen Weg zu finden. Wenn man jetzt einen Kunden hat, einen potenziellen, und der sagt, das ist immer zu teuer, was macht die? Grundsätzlich neigt die Frau, ich will niemanden pauschalieren.

Speaker 1
13:25 - 13:44
Dazu zu sagen, okay, wie könnte man es denn irgendwie hinkriegen oder so. Ein Mann sagt, sorry, da bist du nicht mein Kunde. Also der hat viel weniger Schmerz mit Klarheit und das auszuhalten. Aber diesen Konflikt vielleicht oder Diskussionen anzuregen und so weiter, das ist nicht so eher Frauenthema.

Speaker 1
13:44 - 14:11
Und da dürfen wir als Selbstständige definitiv besser werden. uns so weit praktisch positionieren, ich komme immer wieder auf das Wort zurück, zu sagen, ich weiß, was ich will und ich weiß, was ich kann und ich weiß, wie ich es verkaufen kann. Ich möchte den Aspekt nochmal betonen, was du gesagt hast, Andrea. Also das Nein-Sagen von Frauen, dass das besonders schwierig ist, das ist der eine Aspekt.

Speaker 1
14:11 - 14:40
Aber das andere ist, was noch dazukommt, ist, dass Frauen, das ist auch meine Erfahrung, sehr häufig in beratenden, lehrenden, helfenden Berufen gründen. Das heißt, die zieht es schon in bestimmte Branchen. Und wenn ich natürlich in solchen, also wenn ich mit diesem Impetus in die Gründung gehe, dass ich helfen möchte, dass ich beraten möchte, dass ich lernen möchte, und wenn ich mir dann auch noch Schwertung mit dem Nein sagen, dann habe ich sozusagen eine sich doppelt verstärkende Spirale in Gang gesetzt.

Speaker 1
14:40 - 15:28
wo ich natürlich mit dem Einkommen immer hinterherhinken werde, wenn ich in eine Branche gehe, wo viel Konkurrenz ist, wo sozusagen mein Helfer-Syndrom, das ja auch nicht ganz auszuschließen ist, noch angesprochen oder gefüttert wird und wenn ich dann auch noch mich nicht Grenze gegenüber Kunden, die mir nicht gut tun oder Kunden, die nicht zahlen oder Kunden, die zu spät zahlen, dann stecke ich ja da fest in einem Bereich, wo vielleicht Männer sich leichter tun, weil sie vielleicht außerhalb dieser Branche gründen. Und in anderen Branchen, keine Ahnung, in technischen Bereichen, in Software-Bereichen, wo Frauen nicht so stark vertreten sind, sondern auch noch Spielregeln, da stellen sich diese Fragen mitunter gar nicht, weil eher in Projekten gearbeitet wird, was klare Auftragsdefinitionen gibt, dass es beim Handwerker klare Prozesse gibt, Hat es Sie in diesen helfenden Beraternberufen dann noch ein bisschen schwieriger?

Speaker 1
15:30 - 15:46
Ja, absolut. Da stimme ich dir absolut zu, Günther. Und das ist halt so, dass gerade dieser helfende Aspekt genau den Erfolg auch viel schneller generieren kann. Diese Empathie und diese Menschlichkeit, die Frauen oft mit ins Produkt, auch wenn es eine Dienstleistung ist.

Speaker 1
15:46 - 16:04
Ich rede jetzt von allen. Services sozusagen reinbringen, dass das nachweislich sogar ist, kann man auch Studien dazu lesen, dass Frauen in Führungspositionen bzw. als Selbstständige durchaus mehr reißen in kürzerer Zeit, wenn sie sich dessen bewusst sind, was sie können. Ein Mann tut sich damit leichter, da hast du völlig recht.

Speaker 1
16:04 - 16:28
Es ist natürlich auch, wie du sagst, in der bereinigten Form, wo man sagt, okay, was sind das denn für Berufe, wen vergleiche ich denn da und sonst was. Aber ich kann dir sagen aus meiner Erfahrung, aus meinem Umfeld sind die Frauen eher das, oh, was könnte ich noch drauf geben, was könnte ich noch mit, und das mache ich kostenlos und so weiter. Auf sowas kommt ein Mann gar nicht, unabhängig davon, ob der... Und es gibt auch, weil du gesagt hast, Berater und niemals Software, das ist auch nochmal was anderes.

Speaker 1
16:28 - 16:47
Klar, das ist auch sehr klar strukturiert. Nichtsdestotrotz, ich kann mein Coaching, mein Mentoring, mein Service auch sehr klar strukturieren. Ich kann auch Ergebnisse kommunizieren. Wenn ich selber gesettelt bin und weiß, was ich kann, dann kann ich auch mich hinstellen und sagen, wenn du bei mir das Mentoring machst, dann bist du drei Monate hier.

Speaker 1
16:47 - 17:16
Wenn du dich committest, meine Inhalte durchzuarbeiten, mit mir an meiner Seite zu bleiben, dann garantiere ich dir, dass das das Ergebnis ist. Und da dürfen Frauen auch ein bisschen mutiger werden in der Selbstständigkeit. Das Produkt, was man selber gebaut hat und so weiter, das ist sozusagen das eigene Baby, das auch wirklich gut nach außen verkaufen. Was wären denn so die Muster, die offensichtlich sind oder vielleicht auch Muster, die so ein bisschen unsichtbar sind?

Speaker 1
17:16 - 18:04
Wir haben jetzt über einige Sachen ja schon gesprochen, aber wenn man so grob zusammenfassen will, was ist denn so offensichtlich, auf was man schauen könnte oder was ist vielleicht unsichtbar an Mustern, um für sich das irgendwie in die Klarheit oder in die Bewusstheit zu kriegen? Also natürlich Hard Facts, sage ich mal, die Preise, die Zahlungsmodalitäten, was biete ich als Paket an oder was ist der Zeitfaktor und wie verkaufe ich die Sales-Struktur an und für sich. Das sind so mehr die harten Faktoren. Das andere, was eher dieses Unsichtbare ist, das ist mehr so, dass ich sage, okay, es muss alles perfekt sein, ich verkaufe es erst, wenn alles Also ich selber habe das Gefühl, ich bin noch nicht so weit.

Speaker 1
18:04 - 18:15
Oder ich habe das Gefühl, ich stehe erst am Anfang. Ich kann doch gar nicht. Also das sind Glaubenssätze, die tief wirken, die wir mitbekommen haben. Oder auch als Frauen oft in Familien viel mehr übernommen haben an Verantwortung.

Speaker 1
18:15 - 18:40
Und dann sagt man, ja, ich muss ja erstmal helfen. Ich muss den Kunden ja erstmal beweisen, dass ich was kann. Also das schwingt mit, wenn man sein Produkt praktisch schnürt und rausgeht und sich selbstständig macht. Und da darf man halt auch vor allem in der Selbstständigkeit als Das ist erstmal reflektieren und sagen, okay, könnte es sein, dass ich das eine oder andere vielleicht für mich noch klarziehen darf.

Speaker 1
18:40 - 19:08
Vielleicht, wenn wir noch einen Schritt zurück gehen, nämlich in die Gründungsphase oder vielleicht aus deiner persönlichen Erfahrung auch. Wo spielt diese Muster vielleicht schon in der Gründungsphase eine Rolle? Wenn ich mein Business denke und plane, aus deiner Erfahrung, wo muss ich denn da aufpassen, dass ich nicht unbewusst da in diese Fallen rein tappe? Also ich glaube, wenn ich an mich zurückdenke, was für mich ganz schlimm war, ist die Vergleichbarkeit.

Speaker 1
19:08 - 19:33
Dass man als Frau viel sensibler dafür ist zu sagen, wen gibt es da noch am Markt, was bieten die an, was gibt es für Produkte, die kann mehr, die hat mehr oder sonst was. und selber sich so immer gerne mal sein Licht unter den Scheffel stellt. Das heißt, bitte für alle, die gründen wollen, denkt auch dran, warum wollt ihr es tun? Weil ihr was habt, was die anderen nicht haben.

Speaker 1
19:33 - 20:16
Und das darf bitte in die Produktpalette, in das Pricing, in den Sales-Prozess reinfließen. Und das ist, glaube ich, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, wenn man gerade frisch gründen will, dass man sich dessen bewusst ist, wenn das Ganze eine Chance haben muss, muss ich mir selber als Mensch eine Chance geben. Ich bin als Gründungsberater auch immer zwiespältig zwischen dem einen, dass ich sage, okay, es macht schon Sinn, den Markt zu kennen und sich anzuschauen, was sich so tut in der Branche und gleichzeitig sich nicht narrisch machen zu lassen von dem, was die anderen tun, sondern zu sagen, okay, was die anderen tun ist nett und ist vielleicht interessant, aber es bedeutet nichts für meine eigene Gründung, sondern ich muss meinen eigenen Weg finden.

Speaker 1
20:17 - 20:34
Ich finde, da gibt es viel Inspiration da draußen, das darf es ja sein. Und ich finde, Marktrecherche in der Gründungsphase ist sehr, sehr wichtig. Aber ich darf mich davon nicht praktisch ins Negativ ziehen lassen und sagen, oh, das habe ich nicht, das Zertifikat, sondern eher, aha, interessant. Aber wie kann ich mein Produkt dann so attraktiv gestalten?

Speaker 1
20:34 - 21:02
Oder was habe ich wirklich alle schon erlebt, was da reinfließen darf? Und das hat dann kein anderer und das macht es individueller. Ich glaube, ich habe das mal von einer Marketing-Trainerin gehört, eine sehr coole Dame, die ich schätze, die gesagt hat, ja, viele reden über diesen Unique-Selling-Point, aber dabei ist ja die Person, so wie sie ist, mit all ihren Erfahrungen und in dem Umfeld, wo sie sich bewegt, ja schon dieser Unique-Selling-Point für sich.

Speaker 1
21:02 - 21:16
Also man braucht da vielleicht gar nicht so auf die Suche gehen, sondern einfach nur diese Erkenntnis herausziehen. Das finde ich super, Camillo, und danke, dass du das sagst. Das sehe ich genauso. Und noch was für eure Hörer und Hörerinnen.

Speaker 1
21:16 - 21:33
Das Jahr 2026 ist jetzt auch im Marketingbereich sehr stark davon geprägt, Storytelling zu machen. Das heißt, die Menschen wollen neben der ganzen KI und so weiter wieder bei Menschen kaufen. Und das passt ganz gut ins Bild. Cool.

Speaker 1
21:33 - 22:02
Camilla, ich hätte total Lust mit der Andrea noch zu reden über jetzt konkrete Sachen. Wir reden eh schon wieder fast 20 Minuten oder so mindestens. Aber jetzt sind wir noch gar nicht dabei angekommen und es würde mich schon interessieren, dass wir sagen, wie komme ich jetzt raus? Also was kann ich machen, dass ich vielleicht gar nicht in die Falletappe oder wenn sich die eine Hörerin oder Hörer Das kann ja auch Hörer betreffen, dass sie das Gefühl haben, da muss ich was tun oder will ich was tun jetzt im Jahr 2026, was wir so tun

Speaker 1
22:02 - 22:13
können. Machen wir mit Andrea einen zweiten Teil? Sehr gerne, ja. Ja, dann machen wir das so, Andrea, dann würde ich dich bitten, komm doch mal bei uns vorbei.

Speaker 1
22:13 - 22:32
Und wir machen im zweiten Teil dann, nachdem wir jetzt sozusagen den groben Überblick haben und die Probleme erläutert haben, schauen wir uns konkrete Lösungen an und schauen wir, wie wir da vielleicht ein paar Impulse geben können, unseren Hörerinnen und Hörern aus dem Gender Pay Gap herauszukommen. Super, sehr, sehr gerne. Vielen Dank. Ja, dann machen wir das so.

Speaker 1
22:32 - 22:47
Gut, dann würde ich vorschlagen, Camilla, lass uns für diese Folge gut sein. Und Andrea, magst du vielleicht die Schlussworte noch haben? Oder magst du uns vielleicht sagen, für diejenigen, die jetzt zugehört haben, wo kann man jetzt über dich noch was erfahren? Wo kann man mit dir in Kontakt treten?

Speaker 1
22:48 - 23:07
Also was mir ganz wichtig ist, dass hoffentlich in dieser Folge herausgekommen ist, dass die in der Selbstständigkeit sich unter Werb verkaufen, das hat nichts mit Kompetenz oder mit fehlender Kompetenz zu tun. Das möchte ich hier nochmal ganz klar sagen. Ganz wichtig. Und vielen als Learning zumindest, dass man das Bewusstsein erstmal schafft.

Speaker 1
23:07 - 23:37
Aber das ist der erste Schritt, bevor man dann irgendwas verändert, sich dessen bewusst zu werden und sich selber bewusst zu sein. Und mit mir in Kontakt treten, sehr gerne über LinkedIn, über meinen Namen Andrea Stryker oder über mein Instagram-Profil at thegoodchange. Gerne eine Nachricht checken und dann, ja. Gut, dann danke, dass du heute da warst, Andrea.

Speaker 1
23:37 - 23:52
Danke auch dir, Camillo, für diese leibende Folge. Ich hoffe, dass es auch für euch leibend war, liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Und wir sehen uns wieder nächste Woche, hören uns wieder nächste Woche. Und bis dahin, bleibt's leibend.

Speaker 1
23:52 - 23:53
Vielen Dank euch.

Warum verlangen selbstständige Frauen oft zu wenig? Mit Andrea Stoica gegen den Gender Pay Gap (Teil 1)
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