Für Freunde gratis arbeiten - gute Idee oder nicht?

114_Wie geht man damit um wenn Freunde Gratis Arbeit erwarten .mp3
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Speaker 1
00:01 - 00:34
Wie gehe ich damit um, wenn Freunde plötzlich Gratisarbeit erwarten? Hallo liebe Hörerinnen, lieber Hörer, willkommen zu dieser heutigen wöchentlichen Podcast-Folge. An meiner Seite sitzt wie immer der Gründungsberater Deluxe, der liebe Günther Schwarzberger. Hallo lieber Camillo.

Speaker 1
00:34 - 01:05
Camillo Patzl und Günther Schwarzberger sind auch diese Woche für euch da, um euch Fragen zu beantworten aus dem Leben der Selbstständigen, aus dem Leben von GründerInnen. Und heute hast du eine spannende Frage mitgebracht, die mir schon untergekommen ist. Dir auch. Dir auch und ganz vielen unserer Gründer auch, nämlich Ja, wie man damit umgeht, wenn jetzt Freunde, vielleicht Bekannte oder sogar die Verwandtschaft sich Gratisarbeit erwartet.

Speaker 1
01:05 - 01:22
Am Beginn der Selbstständigkeit könnte auch später kommen. Ich glaube, früher oder später begegnet einem dann immer wieder diese Frage. Ja, sollte man das machen, um vielleicht seine ersten Referenzen zu sammeln? Sollte man es ablehnen, um seine Preise zu verteidigen?

Speaker 1
01:22 - 01:55
Also da gibt es ja vielleicht einige Gedanken oder Überlegungen dazu. Und ja, der letzte Gründer, der mir sozusagen diese Frage gestellt hat, war wirklich konfrontiert, weil er einerseits sein Produkt antesten wollte und darum kam diese Überlegung ins Spiel. Und andererseits, weil er auch glaube ich nicht so sattelfest war, was jetzt seinen Preis betroffen hat und was er dafür verlangen könnte, weil es ja noch neu ist, vielleicht Probe, Test. Genau.

Speaker 1
01:56 - 02:08
Also ich glaube, das ist deswegen eine spannende Frage, weil da mehrere Ebenen zusammenkommen. Das eine ist natürlich Freunde und Verwandte, Familie dann ganz speziell. Das ist natürlich etwas anderes als unsere Kunden. Das dürfen wir wissen.

Speaker 1
02:08 - 02:34
Also es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass unsere Freunde und unsere Familie gleichzeitig unsere Zielgruppe ist. Das kann sein, das muss aber nicht sein. Und ich glaube, das darf man nicht vergessen, nämlich bei dem Gedanken, wenn ich etwas testen will mit meinen Freunden, mit meiner Familie, dann muss ich immer darauf aufpassen, das sage ich allen meinen Gründern, ob die überhaupt Zielgruppe sind. Würden die grundsätzlich überhaupt mein Angebot kaufen?

Speaker 1
02:34 - 02:59
Da muss man schauen und unterscheiden, mache ich das jetzt aus reinen Gefallen für meine Freunde oder Familie oder ist es wirklich so eine Art Marktforschung, weil die Leute, mit denen ich es ausprobieren kann, tatsächlich auch mir Informationen geben können über meine Zielgruppe. Also die Tendenz ist nein zu sagen. kann man das so formulieren? Ich weiß es nicht.

Speaker 1
02:59 - 03:30
Also vielleicht kann man es so formulieren. Ich würde unterscheiden, wenn ich sage, okay, ich schaue mal da schnell drüber und bitte schau dir das eine halbe Stunde lang an. Also ich glaube, du und ich, wir haben uns schon Businesspläne angeschaut für Freunde oder Verwandte, wo wir jetzt nichts verlangt haben dafür und da haben wir halt keine halbe Stunde drauf geschaut und haben unsere Informationen gegeben und gesagt, okay, das mache ich halt für mich. Das bedeutet aber nicht, dass ich einen ganzen Tag lang gratis arbeite.

Speaker 1
03:30 - 04:16
Also das heißt, das steht schon vielleicht in einem sinnvollen Zusammenhang, wo ich sage, okay, das ist noch ein Freundschaftsdienst, ohne dass ich mich jetzt davor ausgabe. Und ich glaube, hier fängt auch schon ein Stück weit dieses unternehmerische Denken an, dass ich sage, ich muss ja irgendwie mich selbst finanzieren können als soloselbstständige Person, zahlt mir niemand Geld, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, gar nichts. Und wenn ich da jetzt sozusagen großartig in Gratisleistungen hineingehe, dann ja, gewöhnen sich vielleicht meine Zielgruppe oder meine Personen dran, die das schon konsumiert haben, dann komme ich sehr schwer von diesem Level weg und zu dem hin, dass ich sage, aber jetzt kostet es was. Was ist jetzt dann anders als vorhin?

Speaker 1
04:16 - 04:35
Dann bin ich sozusagen wieder hier im Argument, Argumentationszwang und kommt, glaube ich, da wirklich schwer raus. Gleichzeitig muss ich auch dazu sagen, keine Ahnung, von meinem Bruder, von meinen Eltern würde ich nie was verlangen. Das sind aber Regeln oder Prinzipien, die man sich glaube ich selbst auferlegt. Richtig, genau.

Speaker 1
04:35 - 04:52
Also das ist einfach mein Zugang, das würde ich einfach nicht tun. So funktioniert unsere Familie nicht. Das heißt, die Frage ist, wo die Grenze ist. Also wenn du sagst jetzt Bruder, also wirklich im engeren Familienkreis, aber was ist dann mit Verwandtschaft?

Speaker 1
04:52 - 05:03
Also da gibt es ja dann auch mehrere Verwandtschaftsgerade. Wo hört das dann auf? Wurscht, wie jetzt die Antwort unserer Hörer und Hörerinnen ist. Ich glaube, diese Grenze setzt man sich ein Stück weit selbst.

Speaker 1
05:03 - 05:25
Und dann sollte man aber, glaube ich, auch die Disziplin haben, ein wertschätzendes Nein auszudrücken. Oder bis zu welchem Grad. Oder ich glaube, da gibt es noch etwas dazwischen. Einfach zu sagen, ich muss ja auch für meine Freunde oder Verwandten nicht unbedingt gratis und Anführungszeichen arbeiten, sondern ich kann ja auch eine Gegenleistung verlangen, die nicht Geld ist.

Speaker 1
05:25 - 06:00
Das heißt, ich kann ja mir überlegen, hat der Freund dafür irgendwas anderes, was mir hilfreich sein kann, entweder in der Gründung oder im privaten Bereich. Keine Ahnung, ich schaue über den Business-Wahn drüber, dafür holst du am Samstag die Kinder ab. Und ich habe was davon und du hast was davon und ohne dass hier Geld gewechselt, den Besitzer gewechselt hat, ist trotzdem eine Art Deal entstanden. Das heißt, gerade im Freundes- und Bekanntenkreis kann man schon, also man muss nichts gratis machen und anfangen zu zeigen, dass man sich ausgenutzt fühlt, sondern man kann schon was dafür verlangen, aber es wird halt wahrscheinlich nicht Geld sein.

Speaker 1
06:00 - 06:29
Ja, genau. Also ich glaube, das ist auch so ein unternehmerischer Gedanke, immer zu überlegen, okay, was kann denn eine Gegenleistung sein, wo wir beide was davon haben, wo ich auch ein bisschen was davon habe, wo ich mir Zeit spare vielleicht oder wo es mir auch dadurch gut geht, dass mein Gegenüber auch irgendwas beiträgt, was ihm oder ihr vielleicht sogar leicht fällt, was kein großes Problem ist und dann haben wir einen guten Deal und es geht beiden gut und ich fühle mich nicht ausgenutzt in meiner Rolle als jemand, der professionelle Leistungen anbietet, die er normalerweise gegen Geld verkaufen würde.

Speaker 1
06:29 - 07:08
Ich möchte nochmals zu dem Punkt zurück, den du zuerst gesagt hast, dass man eher in Richtung potenzielle Kunden, Zielgruppe schauen sollte. Ich glaube, das ist auch in der Startphase schwierig, dass man sagt, jetzt habe ich meinen ersten Kunden, kann ich da schon den Vollpreis verlangen etc. Ich kenne diese Gefühle aus eigener Erfahrung. Und hier hilft es auch mit anderen Unternehmern sich auszutauschen oder in der Gründungsberatung sind wir genau für das da. Hier einfach auch seine eigene Arbeit oder diese Leistung, diesen Nutzen, den man den potenziellen Kunden bringt.

Speaker 1
07:08 - 07:28
auch entsprechend entlohnt zu bekommen. Ja, richtig. Und da ist es oft einfacher, man hat jemanden, der von außen drauf schaut, der nicht genau kennt, wie die Beziehung zum Onkel Hans ist, sozusagen aus 20, 30 Jahren persönlicher Biografie, sondern der das einfach ein bisschen objektiv anschauen kann und einfach da sagen kann, okay, das ist ja wirklich nicht notwendig, warum machst du das so?

Speaker 1
07:29 - 08:00
Also der Blick von außen hilft einfach viel klarer zu sehen, was da gerade los ist eigentlich. Und wenn man das jetzt ein Stück weiter denkt, Diese Person, die mir da gegenüber steht, die ist klar, die ist ehrlich, die gibt mir das direkte Feedback. Das würde ich von einem Freund, von einem Verwandten, von einem Bekannten wahrscheinlich nicht in der Form bekommen. Ja, das haben wir ja auch schon mal gesprochen, wie viel das Feedback von Freunden Bekannten jetzt auf die Dienstleistung oder auf das Produkt hin wert ist.

Speaker 1
08:00 - 08:14
Also meine persönliche Meinung ist, das sind nicht die besten Testpersonen, weil erstens sind nicht die Zielgruppe. Die würden das wahrscheinlich nie kaufen. Also in meiner Freundschaft sind keine Gründer. Das heißt, was macht es für einen Sinn, dass ich Gründungsberater und bei denen austeste.

Speaker 1
08:14 - 08:33
Die hören mir zu, weil sie nett sind, aber das hat ja keinen Wert, was die mir an Feedback geben. Das ist der eine Grund. Und das andere ist ja auch zu sagen, Schau her, wenn du Feedback bekommst von deinen Freunden, dann ist es meistens, die können ja nicht Feedback geben objektiv, sondern es hat immer zu tun mit der Person. Die wollen ja nicht wehtun.

Speaker 1
08:33 - 08:51
Oder die wollen ja vielleicht unangenehme Wahrheiten nicht aussprechen und da tut sich jemand anderer. Besser gesagt, unser Job als Gründungsberater ist es, das schon zu tun. Also natürlich respektvoll und natürlich sachlich, aber auch zu sagen, okay, schau dir das nochmal an, bitte. Ich glaube, das funktioniert so nicht.

Speaker 1
08:51 - 09:01
Da sind wir noch nicht am letzten Punkt. Da sind wir nicht an dem Punkt, wo wir sagen, okay, das funktioniert wirklich gut. Vor allem, wenn es nicht angenommen wird. vom Markt, von da draußen.

Speaker 1
09:01 - 09:07
Dann ist das ja schon der erste Hinweis. Ja, angenommen. Nimm mal Feedback an von deinem Bruder. Ja, ja.

Speaker 1
09:07 - 09:16
Also an, Stichwort annehmen. Ist auch immer schwierig. Ist ziemlich schwierig von in diesem Umkreis Feedback auch anzunehmen. Da spielen ja persönliche Komponenten so viel mit.

Speaker 1
09:16 - 09:24
Das heißt, es ist auch von dem her keine gute Idee. Einen Gedanken möchte ich noch mitgeben zum Thema Gratisarbeiten. Ich hätte auch noch einen. Ich versuche mir zu behalten.

Speaker 1
09:24 - 09:56
Gut, einen von mir, einen von dir. Mein Gedanke war, dass eigentlich sich diese Frage, soll ich für meine Freunde gratis arbeiten oder Familie gratis arbeiten, wahrscheinlich gar nicht stellen sollte. weil die Freunde und Verwandten eigentlich die sein müssten, wenn sie gute Freunde sind, die von sich aus sagen, ich will dich dafür bezahlen. Und der Freundschaftspreis so gesehen wäre nicht der normale Preis, sondern das Doppelte, weil die sagen, du bist mein Freund, du bist mein Bruder, dich unterstütze ich doppelt, ich will, dass du Erfolg hast, ich zahle dir selbstverständlich deinen Aufwand.

Speaker 1
09:56 - 10:42
Das wäre sozusagen der wahre Freundschaftsdienst, zu sagen, ich beauftrage dich nicht, weil ich etwas für dich gratis haben will, sondern ich beauftrage dich, weil ich dich in deiner Anfangsphase unterstützen möchte und weil ich sozusagen gern bereit bin, dir das auch fair zu bezahlen. Ja, kann ich nur unterschreiben. Beim Handwerk ist es vielleicht viel greifbarer, dass man sagt, ich brauche die Unterstützung bei Sanitär-Installationstätigkeiten oder vielleicht als Maurer, keine Ahnung, auf der Baustelle. Da ist man eher bereit sozusagen für die Leistung, für das Material, für den Einsatz der Zeit auch etwas zu geben.

Speaker 1
10:42 - 11:13
In einem Beratungskontext ist es schwieriger. Und der Gedanke, der jetzt sozusagen bei mir noch im Kopf war, ist der Gedanke dieser Abgrenzung, weil was, wozu man ja quasi neigt, weil man einen guten Job machen möchte und eine gute Dienstleistung machen möchte, dass man vielleicht da weggerläutet, 50 Minuten sind vorbei. Dass man versucht, ihm mehr zu geben, als vielleicht notwendig. Und bei einem Freund oder Bekannten vielleicht noch mehr.

Speaker 1
11:13 - 11:46
Das heißt, man hätte hier so eine Art Falle vor sich, wo man sagt, Beraterfalle, das kommt aus dem Systemischen. Wo man dann einfach sich schon verlaufen hat und vielleicht bei einem Kunden dann vielleicht früher schon gesagt hat im Sinne der Abgrenzung bis daher ist mein Angebot und alles was darüber hinaus geht ist vielleicht ein Folgeangebot oder das mache ich nicht weil. Sehr guter Punkt. Also ich glaube, wenn wir jetzt diese Podcast-Folge zusammenfassen, soll man ja sagen oder nein.

Speaker 1
11:46 - 12:01
Es ist ein eindeutiges Jein. Es ist ganz eindeutig, dass wir wieder sagen, ich meine es ist eh klar, kann man so nicht sagen. Ich würde sagen, im Zweifelsfall probiert es aus. Wir haben beide unsere Erfahrungen damit gemacht.

Speaker 1
12:01 - 12:13
Schaut mal, was rauskommt, wie es euch damit geht. Vielleicht ist es urleibend, dann macht es das weiter. Vielleicht bringt das ja auch sozusagen in eurem Familiennetzwerk neue Gespräche hervor. Das kann ja sehr positive Effekte haben.

Speaker 1
12:13 - 12:41
Und wenn ihr das Gefühl habt, okay, ihr fühlt euch da ausgenutzt und irgendwie passt das nicht und das ist irgendwie nicht das, was euch vorsteht, dann hört auf damit. Also dieser unternehmerische Zugang einfach einmal auszuprobieren und zu schauen, wie es euch geht dabei, ist auf alle Fälle sinnvoll. Nicht vergessen, man kann auch für im freundschaftlichen Verhältnis Gegenleistungen verlangen, muss nicht immer Geld sein. Und in dem Moment, wie der Camillo gesagt hat, wo ich das Gefühl habe, ich verausgabe mich und ich gebe da viel mehr und das wird gar nicht richtig wertgeschätzt, dann hört es spätestens dann auf.

Speaker 1
12:41 - 13:02
Genau. Ja, ich hoffe für euch war wieder einiges dabei, was ihr euch mitnehmen könnt für euren zukünftigen unternehmerischen Alltag. Es wäre schön, wenn ihr mit uns darüber reden möchtet oder wenn ihr gerade einen Fall habt, wo ihr nicht wisst, solltet ihr für den Freund da was machen oder nicht, dann schreibt es uns. Wir sind da für euch.

Speaker 1
13:02 - 13:26
Bei uns gibt es einen kostenlosen Gründungscheckup, wo wir uns Zeit nehmen, mit euch zu sprechen, über eure Gründungsidee, über eure aktuellen Fragen und Themen, die ihr gerade habt. Sagt uns gerne Bescheid, wir sprechen sehr, sehr gerne mit euch. Und wenn du uns was Gutes tun möchtest, dann teile diesen Podcast gerne mit einer weiteren Person. Wir freuen uns, wenn wir dadurch mehrere Menschen erreichen können.

Speaker 1
13:26 - 13:49
um Ihnen bei Ihrem Weg in die Selbstständigkeit oder wenn Sie schon selbstständig sind, entsprechend unterstützen, begleiten können. Richtige Fragen hören ja nicht auf nach Begründung, sondern gehen ja weiter. Gut, dann würde ich sagen, Camillo, das war's für diese Woche. Ja, ich freue mich schon auf nächste Woche, wenn wir uns bei einer neuen Folge wiedersehen und bis dorthin, Dankeschön und bleibt's leibernd.

Für Freunde gratis arbeiten - gute Idee oder nicht?
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