Betrieb übernehmen - Eine gute Idee?

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Speaker 1
00:01 - 00:52
Betrieb übernehmen. Eine gute Idee? Hallo liebe Hörerinnen, lieber Hörer, willkommen zu dieser heutigen wöchentlichen Podcast-Folge mit dem Gründungsberater Deluxe, dem lieben Günther Schwarzberger an meiner Seite. Ja hallo, hallo lieber Camillo, Camillo Patzl, wie jede Woche an meiner Seite um Fragen der Gründung zu besprechen und die Frage die uns heute beschäftigt ist eine Frage die man in der letzten Zeit öfter mal unterkommt und zwar das ist die Frage, keine Ahnung, jemand geht in Pension,

Speaker 1
00:52 - 01:16
setzt sich zur Ruhe, möchte sein Business nicht mehr weitermachen und gibt mir das Angebot das zu übernehmen. Ja, also ich kann sozusagen die Nachfolge für diesen Betrieb antreten. Und ich habe mir gedacht, Kamil, ich frage dich mal, soll man das machen? Ist das eine gute Idee oder ist es besser, ich starte etwas ganz Neues, wo ich jetzt keinen Rucksack mitnehme, sondern jetzt auf der grünen Wiese alles neu starten kann, so wie ich es mir.

Speaker 1
01:16 - 01:43
vorstelle oder ist es vielleicht doch ganz ganz gut was zu übernehmen das schon ein bisschen Substanz hat, was vielleicht schon Kunden gibt, was vielleicht schon Aufträge gibt und mich ein bisschen sozusagen dadurch in einen Startvorteil bringen kann. Was fällt dir dazu ein Camillo? Ich muss jetzt schmunzeln. Die Hörer und Hörerinnen sehen das jetzt nicht, aber ich drehe mich jetzt um zu meinem Bücherregal, das hinter mir steht, und da lehnt ein lustiges Buch, was mir gerade eingefallen ist.

Speaker 1
01:43 - 02:05
Da steht, die Katze im Sack verkaufen. Ja, das kenne ich auch. Ich bin positiv und ein bisschen kritisch dieser Frage gegenüber, weil Mir ist diese Frage öfters bei Gründerinnen begegnet, die so ein Franchise übernehmen wollten. Da fängt das meistens an.

Speaker 1
02:06 - 03:13
Und manchmal gibt es tatsächlich diese Gründer und Gründerinnen, die einen bestehenden Betrieb, weil jemand in Pension geht, übernehmen wollen. Ich glaube, wenn du in so einem Betrieb wachst, wo jemand in Pension geht, wo du mitarbeitest schon eine Zeit lang, hat das durchaus Potenzial, weil du den Betrieb kennst, weil du sozusagen Abläufe, Strukturen, die Organisation an sich begriffen hast, wo es dann darum geht, was braucht es für die Gründung, was brauche ich vielleicht von der Rechtsform anders, was muss ich vielleicht einfach von diesen rechtlichen Dingen noch zusätzlich marketingtechnisch, vertriebstechnisch mir aneignen, führungstechnisch, dass ich auch eine gute Chance habe, den Betrieb zu übernehmen. Oft sind es dann auch so Generationswechsel, wo man sagt, so der Vater möchte in Pension gehen, die Söhne oder Kinder übernehmen das, Töchter, oder wenn es das nicht gibt, dann ist vielleicht manchmal naheliegend, dass ein Mitarbeiter macht.

Speaker 1
03:14 - 03:52
Wenn du aber von außen kommst, und das ist sozusagen das Pendant dazu, und dann sagst, naja, ich habe gesehen, und da möchte jemand seinen Betrieb verkaufen, und das wäre doch nett. Und das zu einem Zeitpunkt, wo man nicht einmal noch miteinander gesprochen hat, oder sich vielleicht die Bilanz einmal angeschaut hat, oder sich da ein bisschen reingefuchst hat. Ich glaube, es ist ein eigener Schlag Leute und eine ganz, ganz andere Gründung, wenn ich jetzt sage, ich möchte jetzt in die Selbstständigkeit gehen oder ich möchte bestehende Strukturen zu übernehmen. Ja, ich glaube auch.

Speaker 1
03:52 - 04:24
Also es ist eine andere Art der Gründung, nicht besser oder schlechter, aber es ist vollkommen anders. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, diese drei Arten zu unterscheiden. Die eine Möglichkeit ist, ich steige in ein Franchise-System ein, da sollten wir mal eine eigene Folge machen zu dem Thema. Und dann die anderen Möglichkeiten der Betriebsnachfolge in einem Unternehmen wo ich schon selber jahrelang mitgearbeitet habe, wo ich das Unternehmen kenne, wo ich auch die Stärken und Schwächen des Unternehmens kenne, wo ich die Kunden kenne, wo es viel Bezug gibt und ich steige da ein entweder als Mitarbeiter

Speaker 1
04:24 - 04:49
oder als Nachfolgegeneration der Kinder die den Betrieb von den Eltern übernehmen. Natürlich auch mit allen Schwierigkeiten, die in diesen Generationskonflikten vielleicht noch drinnen sind. Also diese Übergaben laufen selten friktionsfrei. Aber das ist eine andere Situation, als wenn ich wirklich von jemand anderem einen Betrieb angeboten bekomme und ich aber über diesen Betrieb nichts weiß und ich den so drüberfinde.

Speaker 1
04:49 - 05:15
Und diese letzte Situation ist tatsächlich die herausforderndste. Jemand will mir seinen Betrieb verkaufen und ich soll sozusagen da einen Preis auch finden oder wir wollen da verhandeln. Wie gibt es sozusagen die Möglichkeit das zu regeln, dass es die Übergabe gibt, weil das einfach so ganz schwierig ist. Also wirklich, wirklich, wirklich schwierig festzulegen, was ist denn eigentlich dieser Betrieb wert.

Speaker 1
05:15 - 05:46
Ja, also was ist eigentlich hier das, was ich hier eigentlich kaufe? Weil, und das muss man sagen, in einem Produktionsbetrieb ist das vielleicht noch leichter, da gibt es die Maschinenhallen, da gibt es Produktionsmaschinen, da gibt es Substanz, Anlagevermögen würde man das nennen in der Bilanz, wo man sagen kann, ok, das hat dann Wert und das könnte ich auch wieder verkaufen. Da gibt es sozusagen etwas, was tatsächlich einen Preis ausmacht, allein schon von den von der Substanz her die im Maschinenraum steht.

Speaker 1
05:46 - 06:34
Aber wenn ich jetzt sagen wir eine Marketing Agentur übernehmen möchte und habe dann im Prinzip nichts anderes als ein virtuelles Office alle arbeiten im Home Office und dann habe ich sozusagen ein paar Server Ablagen und ansonsten gibt es halt Kunden die mehr oder weniger gut gepflegt werden dann ist die Frage ok was Kaufe ich hier eigentlich und wie kann ich sozusagen diesen Wert dieser Übernahme eigentlich bestimmen. Was ist ein Kunde wert, was ist ein guter Kunde wert, wie oft sollte er einkaufen, löse ich die einmal ab, ist das eine Ablösung über mehrere Jahre, das sind alles Fragen die gar nicht beantwortet sind. Das, was du jetzt sagst, Günther, das Spannende ist ja, dass es ja oft nicht um den Besitzerwechsel geht.

Speaker 1
06:34 - 07:22
Also es geht ja oft nicht darum, dass ich sage, ich kaufe mir einfach das Unternehmen, jetzt bin ich der Besitzer und jetzt gehört mir das Unternehmen, wie mir vielleicht eine Immobilie gehört. Sondern es geht ja oft auch darum, wer übernimmt die Führung, also wer leitet das Unternehmen dann letztendlich und betreut es weiter. diesen Sweetspot hinzubekommen, dass man sagt, ja auf der einen Seite geht es um diese Verhandlung und um den Wert oder um das Kaufen des Unternehmens, aber auf der anderen Seite, der Laden muss ja dann auch irgendwie geführt sein oder muss ich mir irgendwas überlegen oder auch da brauche ich eine Art Geschäftsmodell oder ein Konzept im Kopf, wo ich sage, Mit dem kann ich es restrukturieren oder mit dem kann ich es selbst steuern und mit dem kann ich zwei, drei weitere ähnliche Betriebe so steuern.

Speaker 1
07:22 - 07:59
Du bist in einem ganz anderen Setting dann unterwegs. Wenn man dieser Komplexität sich im Vorfeld nicht bewusst ist, kann man sehr schnell auf die Nase fliegen, weil dann kaufe ich ein Unternehmen, ich habe dort Mitarbeiter zu bezahlen, und da sind ja auch Familien usw. im Hintergrund, und dann funktioniert das nicht mehr, weil einfach die weiß ich nicht, der Vertriebsprozess nicht mehr funktioniert, weil das vielleicht früher der Chef selber gemacht hat oder lauter so Sachen. Ja, genau.

Speaker 1
07:59 - 08:22
Also das ist ja auch eine Besonderheit von kleinen Unternehmen, dass es sehr, sehr personenbezogen ist. Und der Chef, oft der Gründer, meistens, kann natürlich keine Chefin sein, aber meistens sind es tatsächlich in der Generation eher Männer, die gegründet haben und jetzt in Pension gehen. Es ist erst in den letzten Jahren so, dass tatsächlich die Zahl der Gründerinnen steigt. Also der Chef hat wahrscheinlich die meisten Kundenkontakte.

Speaker 1
08:22 - 08:38
Der Chef ist der Dreh- und Angelpunkt in diesem Unternehmen. Und die Frage ist, kann ich mich jetzt einfach an die Stelle dieses ehemaligen Chefs stellen und kann sagen, da bin jetzt ich und ich mache das jetzt weiter. Funktioniert das so? Werden meine Mitarbeiter diesem Wechsel folgen?

Speaker 1
08:38 - 08:49
Werden mir die dann folgen? Werden meine Kunden das einfach so? nehmen oder sehnen sie sich nach dem Chef, der früher da war mit seiner Art. Es kann auch sein umgekehrt sein.

Speaker 1
08:49 - 09:09
Vielleicht sind die Kunden froh, dass der Chef endlich weg ist und dass wer neuer kommt. Das kann natürlich auch sein. Da gibt es alles, aber ich weiß es nicht. Das heißt, ich muss mir Der zentrale Frage ist wenn ich Mitarbeiter habe wird diese Beziehung gut funktionieren das ist die eine Frage und die andere Frage ist wird die Kundenbeziehung gut funktionieren weil sonst kann es mal passieren dass das eine oder das andere oder beides weg bricht und

Speaker 1
09:09 - 09:37
ich stehe im Prinzip mit keinem Unternehmen mehr da weil ich weder Kunden noch Mitarbeiter habe. Und dann muss ich eigentlich sagen okay dann hätte man das ganze sparen können weil keine Kunden zu haben und keine Mitarbeiter dann kann ich auch als Ein-Personen-Unternehmen gründen. Dann habe ich am Anfang genauso keine Kunden und keine Mitarbeiter aber die Möglichkeit mir das alles von Anfang an aufzubauen und tatsächlich halt keine großen Kaufinvestitionen dann zu teilen. Du hast dann den Klumpen am Fuß.

Speaker 1
09:37 - 10:16
Also bei einem Weg in die Selbstständigkeit als Solo-selbstständige Person kannst du ja theoretisch bei Null starten und dir sukzessive deine Strukturen und dein Unternehmen aufbauen. Aber wenn du ein Unternehmen gekauft hast, das dir dann ein Stück weit wegbricht, weil Dinge vorher nicht erkannt hat oder gesehen hat, dann hast du ja schon die Halle, die was kostet, die Maschinen, die was kosten, die Mitarbeiter, die vielleicht dann doch noch da bleiben, wenn sie sagen, naja, geht nicht anders. Und du stehst aber sozusagen vor diesem Haufen, vor dem Chaos und musst dann mit Lieferanten neu verhandeln, weil die drauf gekommen sind, jetzt geht da irgendwas.

Speaker 1
10:16 - 11:02
Du musst vielleicht deine Kunden kennenlernen und versuchen einen Draht zu denen zu finden, dass sie auch deine Stammkunden oder Kundinnen weiterhin bleiben und das ist schon ein anderes Setting in das man sich da hinein begibt. Absolut und wir dürfen ja nicht vergessen und das werfe ich Ihnen ja nicht einmal vor, dass diejenigen die das Unternehmen verkaufen möchten die Situation wahrscheinlich ein bisschen besser darstellen als sie in der Wirklichkeit ist. in diesen Verkaufsverhandlungen oder in diesen Gesprächen wird es ja immer so sein, dass bestimmte Dinge vielleicht nicht transparent oder nicht in voller Deutlichkeit auch mitgeteilt werden. Das heißt, ich habe ja keine Möglichkeit in das Unternehmen reinzuschauen, wenn ich nicht wirklich mitgearbeitet habe.

Speaker 1
11:02 - 11:23
Das heißt, ich weiß nie, so wie du vorher gesagt hast, ich kaufe die Katze im Sack möglicherweise und ich weiß nie genau, worauf ich mich einlasse. Das heißt nicht, dass es aus böser Absicht passiert. Ich sage nicht, dass ich da auf das Ohr gehauen werde absichtlich, sondern ich weiß es einfach nicht. Ich kann bestimmte Probleme nicht wahrnehmen, bis ich in der Situation bin.

Speaker 1
11:23 - 11:59
Deswegen, wenn das tatsächlich eine Option sein sollte, würde ich immer dazu raten, keine fixen Kaufpreise zu bezahlen, sondern zu sagen, einigen wir uns auf ein Provisionsmodell. Du kriegst einen Prozentsatz vom Umsatz. Das heißt, dass ich möglichst flexibel bin in dieser Phase, dass ich sage, okay ich teile das Risiko auch mit der Person, die das Unternehmen verkauft, einen fairen Deal zu finden, aber dass ich nicht mir das ganze Risiko allein überstülpe, dass ich sozusagen dann nicht, Risiko ist immer mit Geld bewertet, deswegen spreche ich jetzt vom Kaufpreis.

Speaker 1
11:59 - 12:32
Das heißt, dass ich nicht der bin, der zu 100% einfährt, sondern dass derjenige, der verkauft hat, auch noch mit drinnen ist. auch Interesse daran hat, dass dieser Übergabeprozess auch über die Übergabe hinaus noch gut funktioniert und auch Interesse daran hat, dass es mit den Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern auch mittel- und langfristig gut funktioniert. Wir zwei, Günther und ich, sind ja spezialiert auf Solo-selbstständige Personen, auf Menschen, die einfach den Weg in die Selbstständigkeit suchen. und dort ihre Geschäftsmodelle aufbauen wollen.

Speaker 1
12:32 - 13:04
Ich tue mir immer schwer mit Empfehlungen, aber es gibt ja die Nachfolgebörse von der WKO, die einen auch in diesem Prozess der Nachfolge unterstützen. Und an der Stelle, bitte sucht euch Beratungen. von unterschiedlichen Stellen. Also ich durfte Gründer begleiten, die sozusagen diesen Generationswechsel durchgelebt haben und auch da mit meinem Blick von außen habe ich ihnen ein bisschen weiterhelfen können, diesen Familienbetrieb zu übernehmen.

Speaker 1
13:05 - 13:38
Aber dort habe ich auch mitbekommen, dass sie sehr viel Vorarbeit geleistet haben, sehr viele unterschiedliche Beratungen sich genommen haben. Das war sehr gut und wichtig für die zwei Jungen. Söhne sind es eigentlich, die nachher vom Vater den Betrieb übernommen haben oder übernehmen werden und auch mit Steuerberatung begleitet, auch mit Notar und so weiter begleitet, weil ich glaube es ist sehr, sehr wichtig. Die haben sich Gedanken gemacht, einen Businessplan geschrieben.

Speaker 1
13:38 - 13:59
Sie müssten das nicht, weil sie sind ja eh schon in dem Betrieb, aber einfach als sozusagen Möglichkeit für sich selbst einmal festzuhalten, wie stellen wir uns den Betrieb vor? Wie stellen wir uns auch diese Übergabe vor? Was passiert denn mit dem eigentlichen Chef, der noch Chef ist? Wie soll die Übergabe da fließend funktionieren?

Speaker 1
13:59 - 14:28
Und da gehört sehr viel Arbeit im Vorfeld oder Vorbereitung hinein, bis es dann wirklich um die Preisverhandlung oder um diesen Kauf des Unternehmens geht oder die Übernahme. Genau, ich glaube, das ist eine super Zusammenfassung. Holt euch Hilfe von den ExpertInnen im Bereich Nachfolgen und Betriebsübernahme. Wirtschaftskammer ist in Österreich definitiv die richtige Ansprechperson, weil die haben wirklich ExpertInnen, die sind da wirklich gut ausgenutzt.

Speaker 1
14:28 - 15:00
Es gibt auch Coaching-Begleitungen, die da wirklich auch diese Betriebsübernahmen von Familienunternehmen begleiten. Spannendes Thema, Betriebe übernehmen kann eine gute Idee sein, aber einfacher als eine Neugründung ist es wahrscheinlich auch nicht. Will genauso gut vorbereitet sein, will genauso gut überlegt sein, aber auf alle Fälle eine Option ist es definitiv. Ich würde sagen, Camillo, das war es für diese Folge von Leihwand Gründen.

Speaker 1
15:00 - 15:17
Wenn du mit uns sprechen möchtest über eine Betriebsübernahme und unsere Meinung dazu hören möchtest, sehr gerne. Wir haben kostenlose Gründungs-Check-Ups, wo wir auch darüber sprechen können. Genau, nutzt gerne das Angebot. Wir sind buchbar und nehmen uns gerne die Zeit.

Speaker 1
15:17 - 15:26
Und ansonsten bleibt mir nur zu sagen, wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet zu einer weiteren Folge von Leib und Gründen. Und bis dorthin, bleibt leibend.

Betrieb übernehmen - Eine gute Idee?
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