Steckst du in der Wenn-Dann-Falle?

141_Steckst du in der wenn-dann Falle.mp3
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Speaker 1
00:01 - 00:43
Steckst du in der Wenn-Dann-Falle fest? Hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer, herzlich willkommen zur wöchentlichen Ausgabe von Leihwand Gründen, unserem Podcast rund ums Gründen und um Selbstständigkeit. Mein Name ist Günther Schwarzberger und an meiner Seite ist wie immer der Camillo. Hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer, an meiner Seite wie immer der liebe Günther Schwarzberger, Gründungsberater Deluxe.

Speaker 1
00:43 - 01:14
Du hast uns eine sehr spannende Eingangsfrage mitgebracht. Hast du dazu ein Fallbeispiel oder wie kam es zu dieser Wenn-Dann-Frage? Ja, also die Wenn-Dann-Frage ist etwas, was sich im Leben generell zeigt, aber auch im Setting der Gründung oder der Selbstständigkeit. Und zwar die Wenn-Dann-Falle ist diese Überlegung, dass man sagt, okay, Zuerst muss das passieren, und dann kann ich irgendetwas Bestimmtes tun.

Speaker 1
01:14 - 01:57
Oder anders verwendet, wenn das und das geschehen ist, dann kann ich das und das machen. Im Fall der Gründung würde es dann heißen, ja, zuerst muss ich, keine Ahnung, meine Ausbildung fertig gemacht haben, zuerst muss ich mein Kind großgezogen haben, zuerst muss tausend Sachen, und dann kann ich meine Gründung tatsächlich dann durchziehen. Und diese wehende Anfalle, die ist deswegen interessant, weil es ja manchmal tatsächlich objektive Gründe gibt, warum man warten muss mit der Gründung. Also es kann ja sein, dass ich sage, okay, ich bin Lebens- und Sozialberater und muss erst meine ganzen Ausbildungen, Supervisionsstunden und so weiter, das alles erst gesammelt haben, dann kriege ich erst meinen Gewerbeschein und dann kann ich mich erst selbstständig machen.

Speaker 1
01:57 - 02:19
Ich wollte gerade sagen, es gibt ja manchmal eine gewisse Abfolge, die man einhalten muss, auch bei den Gründungsschritten. Vielleicht kann es ja so sein, dass man erst A vor B machen muss. Aber was meinst du dann konkret? Also davon rede ich nicht, dass es manchmal natürlich sinnvolle Reihenfolge gibt und sagt, okay, eins, zwei, drei, das sind die richtigen Schritte.

Speaker 1
02:19 - 02:46
Sondern ich rede eher von der Idee, dass ich immer wieder Gründe finde, warum es jetzt noch nicht passt. Typisch, das kennst du sicher, Camillo, von unseren GründerInnen. Es gibt GründerInnen, die überlegen, noch die zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste Ausbildung zu machen. Also nach dem Motto, wenn ich diesen Kurs gemacht habe, dann werden die Kunden zu mir kommen.

Speaker 1
02:46 - 03:07
Oder wenn ich sozusagen erst dieses Zertifikat habe, dann werde ich ins Marketing gehen können, weil dann habe ich das bessere Angebot. Und man kommt darauf, dass wenn dieser Schritt erfüllt ist, sich an der Situation eigentlich überhaupt nichts geändert hat. Das heißt, die Situation ist genauso wie vorher. Und deswegen rede ich von der Falle.

Speaker 1
03:07 - 03:30
Man kommt aus der Situation nicht raus, weil dieses Wenn, also diese vermeintliche Lösung, in Wirklichkeit keine Lösung ist, sondern das Problem nur verschiebt. Ich muss jetzt schmunzeln, man sieht es nicht. In dem Audio quasi für unsere Hörer und Hörerinnen. Ich habe gerade das Bild im Kopf von meiner Tochter.

Speaker 1
03:30 - 03:55
Wenn es darum geht, dass man Zähne putzt oder dass man sich die Schuhe anzieht, dann ich muss noch irgendwas aus dem Spielzeugregal holen. Ich muss noch meinen Kuschel. Also das ist recht lustig formuliert, diese Ventanfalle genauso. Es ändert nichts an der Tatsache, dass wir Zähneputzen gehen oder dass wir das Haus verlassen müssen.

Speaker 1
03:55 - 04:17
Und es bringt sozusagen jetzt nichts, sich zu versuchen abzulenken oder was anderes zu finden, weil das ist der nächste Schritt. Also ich muss mich um das kümmern. Ich darf auch den Mut aufbringen. in diese Richtung zu gehen und nicht mich von dieser Wenn-Dann-Frage auch ein Stück weit ablecken zu lassen.

Speaker 1
04:17 - 04:40
Richtig. Und das Spannende, was du gesagt hast, und deswegen ist das Beispiel mit der Mathilda so gut, weil Wenn wir ein Kind beobachten, dann erkennen wir das ja. Wir erkennen ja, dass da jemand auf Zeit spielt oder so ein bisschen versucht noch, keine Ahnung, die Kinder, die vorm Schlafen gehen auch plötzlich noch riesen Durst haben und unbedingt noch was trinken wollen. Das heißt, wir erkennen, dass da jemand versucht, auf Zeit zu spielen.

Speaker 1
04:41 - 05:08
Die Wendanfalle ist aber deswegen so perfide, weil wir es an uns selber nicht merken und weil wir tatsächlich glauben, dass diese zusätzliche Ausbildung die Lösung ist. Das heißt, wir machen das nicht, weil wir uns selber belügen wollen, sondern weil wir die in der Falle feststecken. Wir glauben tatsächlich, dass... Da gibt es kein Elternteil, das darauf schaut und sagt, es bringt jetzt nichts.

Speaker 1
05:08 - 05:34
Es ändert nichts an der Tatsache, dass wir diese Richtung einschlagen werden. Und ja, es kann helfen, wenn man die Chance hat, mit jemandem zu reflektieren, einem anderen Unternehmer, Unternehmerin, einem anderen Gründer, Gründerin oder vielleicht sogar einem Gründungsberater. Dann hat man vielleicht die Chance, auf diese blinden Flecken draufzukommen. Aber in vielen Fällen ist man da, ja, da trägt man einen Kampf mit sich selbst raus.

Speaker 1
05:34 - 05:58
Genau, richtig. Weil, und das ist jetzt das eigentliche Problem an dieser ganzen Vendanfalle, diese Vendanfalle schnappt dann zu, wenn ich vor dem, was hier passieren soll, aus irgendeinem Grund Angst habe. Das heißt, es ist etwas, das ich eigentlich lieber vermeiden möchte. Und unser Gehirn ist ja wahnsinnig schlau, das rationalisiert uns unsere ganzen Ausreden so lange, bis wir es selber glauben.

Speaker 1
05:59 - 06:11
Bis wir selber glauben, dass diese Maßnahme tatsächlich die Lösung ist. Das gibt uns eine innere Sicherheit. Das gibt uns auch das Gefühl, dass wir ja aktiv sind. Wir warten ja nicht, sondern wir tun ja was.

Speaker 1
06:11 - 06:38
Es gibt uns dieses Gefühl von Aktivität und auch von Fortschritt. Wir stürzen uns ja voller Energie rein und lenken uns dann insofern von dem eigenen Problem ab, dass wir sagen, wir tun ja, wir strampeln. sind dann oft sogar überrascht, dass unsere vermeintliche Lösung eigentlich keine Lösung war. Aber anstatt, dass wir erkennen, dass diese Strategie falsch war, machen wir es oft sogar mehr vom Gleichen, also more of the same.

Speaker 1
06:38 - 06:55
Das heißt, wir hängen in unserem Beispiel jetzt noch eine Weiterbildung an. Wir sagen, okay, anscheinend war das noch zu wenig. Ich brauche noch diese Spezialisierung und dann wird es klappen. Das heißt, diese Wehendahnfalle schnappt uns hintereinander mehrmals zu, weil wir immer die gleiche Lösung probieren für dieses Problem.

Speaker 1
06:56 - 07:29
Aber diese Lösung ist nur eine Scheinlösung und packt das Problem nicht an, gibt uns aber ein besseres Gefühl, als wenn wir uns dem Problem tatsächlich ehrlich stellen müssten und mit dieser Angst konfrontieren müssen. Das klingt ja fast wie wenn man Try and Error, wenn man quasi diese Strategie verfolgt, man vielleicht sogar ein Stück weiter kommt als sich mit dieser auf diese Wenn-Dann-Falle einzulassen? Ja, absolut. Diese Wenn-Dann-Falle hat in bestimmten Bereichen, wo ich es jetzt im Gründungskontext wahrnehme, also es gibt diese Wenn-Dann-Falle sehr häufig bei Gründungen an sich.

Speaker 1
07:30 - 07:53
Also Menschen, die seit Jahren darüber reden, dass sie sich einmal selbstständig machen werden. Aber jetzt geht es gerade nicht, weil zuerst muss noch das passieren. Aber wenn ich dann das und das gemacht habe, wenn ich mal zwei Jahre im Job war und mir einen Sicherheitspolster aufgebaut habe, dann gründe ich. Und dann ist zwei Jahre im Job passiert und es gibt ein anderes, wenn das erst passieren muss, damit diese Gründung dann passieren kann.

Speaker 1
07:53 - 08:22
In diesem Kontext können Gründungen sehr lange rausgeschoben werden und wenn dann, wir haben es ja schon ein bisschen angedeutet, sehr häufig im Kundenkontakt, in dem Moment, wo es tatsächlich ums Verkaufen geht, das macht auch sehr Angst, das ist sehr unangenehm für ganz viele, weil sie es nicht gewohnt sind, weil sie es nicht gelernt haben. Das heißt, wenn ich versuche, diese konfrontativen oder zumindest diese Moments of Truth, wo ich tatsächlich mit meinem Angebot... Ich muss erst das Angebot noch ausfällen, bevor ich das Telefonat führe.

Speaker 1
08:22 - 08:36
Ja, genau. Oder ich muss das Angebot ändern. Ich muss noch warten, bis ich den Corporate Design Guide habe, damit ich das Angebot in meinen Designfarben machen kann. Das macht für den Kunden keinen großen Unterschied.

Speaker 1
08:37 - 09:03
Aber mir ergibt es eine gute Ausrede zu sagen, naja, jetzt geht's noch nicht. Zuerst muss das und das passieren. Und deswegen der Aufruf an alle unsere Hörerinnen und Hörer, diese Ventanfallen sind nicht leicht zu erkennen, weil wir ja wirklich drinnen feststecken und wir erkennen nicht, dass wir in der Falle sitzen. Wir tun uns oft viel leichter bei anderen zu erkennen, dass die in so einer Eventanfalle drinnen stecken.

Speaker 1
09:04 - 09:31
Deswegen ist jetzt nicht der Aufruf an euch jetzt in die Selbstreflexion zu gehen, weil das ist oft gar nicht so leicht. Aber wenn euch so eine Eventanfalle auffällt bei jemand anderem, dann weist mal freundlich, aber doch bestimmt darauf hin, und sagt, hör dir mal diese Folge an von Günther und Camillo, wo es um die Wendanfalle geht und schau mal, ob es nicht sein könnte, dass du in diesem Bereich da drinnen sitzt. Und wie gesagt, diese Wendanfalle gibt es...

Speaker 1
09:31 - 09:59
Oft ist ja auch so eine fehlende Sicherheit vielleicht. Ja, es hat immer mit Unsicherheit zu tun. In meiner Ausbildung habe ich oft den Satz gehört, Mut zur Lücke oder Mut zur Imperfektion. Es ist wahnsinnig schwer, es zu leben, ist leichter gesagt natürlich, aber das kann ein Ausweg sein, weniger in diese Wenn-Dann-Fallen hinein zu stapfen.

Speaker 1
09:59 - 10:49
Das wäre es einfach, sich dieser Angst zu stellen, mit dieser Unvollständigkeit zu leben, auch mit Ablehnungen leben zu können. Durch Fehler lernen wir ja und gerade im Unternehmenskontext helfen uns diese Fehler oder diese Rückschläge oder diese Erfahrungen, die wir sammeln auf dem Weg. unser Angebot, unser Produkt besser zu machen, unsere Kommunikationsskills zu stärken. Und ich glaube, dass das oft unangenehm ist, keine Frage, aber uns wesentlich leichter weiterbringt, als viele Dinge im Vorfeld erledigen zu wollen, die vielleicht gar nicht gefragt sind oder letztendlich die Zeitverschwendung sind.

Speaker 1
10:49 - 11:04
Und das Problem mit der Zeitverschwendung ist, dass irgendwann die Zeit abgelaufen ist. Irgendwann ist es zu spät. Entweder weil wir jetzt im Setting von unserer Gründung sehen, irgendwann kann ich mich nicht als Selbstständiger machen. Irgendwann ist es tatsächlich...

Speaker 1
11:04 - 11:14
Jeder kleinere oder größere Betrieb hat fehlende Ressourcen. Und es sind oft die zeitlichen Ressourcen, die uns dann auch wehtun. Genau. Und irgendwann geht es halt dann nicht mehr.

Speaker 1
11:14 - 11:38
Dann ist es zu spät für die Gründung. Oder dann ist mir das Geld ausgegangen und jetzt kann ich tatsächlich meinen Kunden nicht mehr anrufen, weil ich sozusagen jetzt pleite gegangen bin. Irgendwann wird dieses Problem tatsächlich dann virulent und es lässt sich jetzt nicht mehr verschieben oder verwalten oder mit einer wenn-dann-Ausrede sozusagen stillhalten. Und ich habe es am Anfang gesagt, das betrifft jetzt nicht nur unseren Kontext, das gibt es im Leben ganz generell, es gibt auch ganz viele.

Speaker 1
11:39 - 12:14
Beim Sport, ich muss mir zuerst das teure Fahrrad oder die teure Skiausrüstung kaufen und dann werde ich mit dem Training oder mit der Schulung oder mit dem Kurs beginnen, anstatt sich das Fahrrad zu schnappen, das man hat und einfach mal ein paar Meter zu fahren oder die Skiausrüstung, die es halt gibt. Und dort kann man genauso seine Technikübungen Oder wenn Weihnachten erst mal vorbei ist, wenn die ganzen Vanillekiefer dann gegessen sind, dann beginne ich dann mit einem gesünderen Leben und mit dem Sport und so weiter. Das ist auch so typisch.

Speaker 1
12:14 - 12:42
Oder in der Partnerschaft kennt man das auch. Keine Ahnung, irgendjemand, der im Prinzip nie heiraten möchte, sagt dann, naja, jetzt machen wir mal, jetzt steigen wir mal in den Beruf ein und wenn das dann mal geschafft ist, dann schauen wir uns das Thema mal neu an. Also man kann da schon mit dieser Wendanfalle natürlich sehr lange auf Zeit spielen. Und das auch sehr gut rationalisieren, dass man eigentlich die ganze Frage eigentlich sagen müsste, eigentlich will ich es gar nicht machen.

Speaker 1
12:42 - 13:00
Es kommt nie der Zeitpunkt, wo ich das machen möchte. Es wird immer wieder raus zögern. Ich glaube, wir könnten uns noch länger darüber unterhalten. Ich glaube, wir haben aber die Fakten oder den Kern sozusagen da gut rausgearbeitet.

Speaker 1
13:00 - 13:27
Ich werde jetzt nicht die Schlussworte mit wenn, dann beginnen, weil es keine Falle sein soll. Nein, es ist keine Falle, aber... Wir würden uns freuen, wenn du diesen Podcast teilst, wenn er dir gefallen hat, diese Folge, dann freuen wir uns immer über neue Hörer und Hörerinnen. Und wenn du Lust hast, etwas von uns zu lesen, dann gibt es den Newsletter, den der liebe Günther jeden Samstag vormittag ausschickt.

Speaker 1
13:27 - 13:48
Genau, da gibt es zusätzliche Tipps rund ums Gründen und die Selbstständigkeit, ein paar Behind-the-Scenes-Stories sind auch immer dabei und es gibt am Abschluss einen guten Witz. Also das Lesen von Newslettern zahlt sich auf jeden Fall wieder aus. Wir sind nächstes Mal wieder da. Genau, auf das freue ich mich schon, wenn auch ihr, liebe Hörer, liebe Hörerinnen, wieder dabei seid.

Speaker 1
13:48 - 13:52
Und bis dorthin wünsche ich euch alles Gute und bleibt lernt.

Steckst du in der Wenn-Dann-Falle?
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