Wenn das Herz Ja sagt, aber der Taschenrechner Nein (Sommergespräche 2025)
Sommergespräch 4.mp3
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Speaker 1
00:17 - 00:30
Hallo, liebe Hörerinnen, lieber Hörer. Willkommen zu dieser wöchentlichen Podcast-Folge von Leuwand Gründen. Allerdings Sommer-Edition. Sommergespräche, genau.
Speaker 1
00:30 - 00:48
Wir sind hier im schönen Prater spazieren, mal wieder. Und vielleicht hört man die Vögel zwitschern oder Umgebungsgeräusche, aber wir nehmen dich mit. Es ist wunderschön heute. Die Sonne scheint wieder, Bäume blühen, alles ist grün, blauer Himmel.
Speaker 1
00:48 - 00:55
Also ein Traum. Also vielleicht sollte man das öfter machen, auch im Winter. Winterspaziergang. Mit Schlittschuhen.
Speaker 1
00:56 - 01:21
Wir nehmen euch heute wieder mit und geben sozusagen ein Einblickgefühl in so Gründungsberater-Erlebnisse oder auch Gründungsideen, die wir begleiten durften. Genau, Gründungsstories eigentlich. Und plaudern so ein bisschen drüber über das, was uns passiert ist, reflektieren es ein bisschen und du kannst uns beim Nachdenken reflektieren, zuhören. Und ich habe eine Story mitgebracht.
Speaker 1
01:23 - 01:32
Einen Imbissstamm, weil er da steht. Imbissstamm ist sowas Ähnliches, Camilla. Tatsächlich sowas Ähnliches. Es ist eine Kreislerei.
Speaker 1
01:32 - 01:52
Also Kreislerei für alle, die jetzt außerhalb von Wien oder Österreich sind. Es ist so ein kleiner Kaufmannsladen. Und die Geschichte ist wirklich, wirklich lieb. Also eine total liebe Frau aus Polen, das ist eigentlich Polin, die in Wien gelebt hat mit ihrem Mann.
Speaker 1
01:53 - 02:11
Und die ist umgezogen. Die ist von einer alten Wohnung in ein neues Stadtentwicklungsgebiet gezogen, wo viele neue Wohnungen entstanden sind, neue Grätzle entstanden sind. Und dir ist aufgefallen, dass es in diesem Grätzle keine Nahversorgung gibt. Also es war sozusagen nichts da.
Speaker 1
02:11 - 02:38
Es gab keinen Lebensmittelladen. Und gleichzeitig war aber bei ihnen im Haus unten eine Gewerbefläche frei. Das heißt, es wäre sozusagen die Idee gewesen, zu sagen, wir machen so eine kleine Kreislerei auf, die aber nicht nur jetzt ein Supermarkt ist, sondern wo wirklich für die ganzen jungen Familien, die da raus reinziehen, so ein bisschen ein Community-Treffpunkt ist, wo vielleicht ein bisschen ein Bistro dabei ist, wo man kleine Sachen auch essen kann, vielleicht austauschen kann.
Speaker 1
02:38 - 03:04
Genau, wo man zusammenkommt, wo so wirklich wie früher, wo der Kreisler ja auch im Ort so ein Community-Vertreffhaus war, wo man sich auch getroffen hat. Genau, genau. Also wo man sozusagen diese ganzen wunderbaren Eigenschaften einer Kreislerei wieder neu belebt, neu interpretiert. Und ich habe mir das bei dieser Gründerin wunderbar vorstellen können.
Speaker 1
03:04 - 03:24
Also ich habe mir gedacht, das ist eine super Kreislerin. Ihre Argumente, also vom Typ her, sehr offen, sehr gesprächig, sehr nett, wie gesagt. Auch von der Idee her zu sagen, da kommt eine Zielgruppe zusammen, da sind Leute gleichgesinnte. Ich glaube, das hätte schon funktionieren können.
Speaker 1
03:26 - 03:47
Hätte, jetzt kommt es an den Plot-Twist, bis zu dem Moment, wo wir angefangen haben, das Ganze auszurechnen. Also, wo wir jetzt hergegangen sind und gesagt haben, schauen wir uns das mal an, wie würde das denn ausschauen in Zahlen? War das mal ein Sozialprojekt oder ein Businessprojekt? Na ja, ich komme gleich dazu.
Speaker 1
03:47 - 04:18
Generell möchte ich vorausschicken, der Moment, wo man eine Geschäftsidee in Zahlen gießt und das sozusagen auch in Zahlen abbildet, kann manchmal ein bisschen ernüchternd sein. Das ist nicht unbedingt immer der leibendste Moment, weil man dann einfach sozusagen die Die Zahlen haben da keine Gefühle, keine Toleranz für Zahlen, Daten und Fakten. Es bringt auch manche Geschäfte auf den Boden. Und jetzt war es so, dass wir tatsächlich diese Kalkulation gemacht haben.
Speaker 1
04:18 - 04:59
Sehr intensiv, wir haben uns das angeschaut. Was herausgekommen ist, ist, dass mit Sie für sich und Ihre Familie ein halbwegs akzeptables Einkommen bekommt, sind wir draufgekommen, dass Sie von Montag bis Sonntag von 8 bis 20 Uhr offen haben müssten. Jeden Tag, durchgehend. Also sozusagen von früh bis spät müsste jemand im Geschäft stehen, und zwar jemand aus der Familie, weil wir haben ohne Mitarbeiter kalkuliert.
Speaker 1
04:59 - 05:23
Also wir haben es so kalkuliert, dass wirklich nur meine Gründerin und vielleicht noch ihr Mann ab und zu aushilft. Jetzt war aber dann das Problem, dass die ja nicht nur vorgehabt haben, sich selbstständig zu machen, sondern die wollten auch Familie gründen und so weiter. Und dann haben wir gedacht, naja, Da passt das Lebensmodell nicht ganz zum Geschäftsmodell. Und da sind wir dann draufgekommen, dass das nicht das ist, was er sich vorgestellt hat.
Speaker 1
05:23 - 05:48
Das ist einfach im Lebensmitteleinzelhandel aufgrund der Margen, aufgrund der teuren Einkaufspreise, weil sie eben nicht so groß einkaufen kann wie die keine Ahnung, Biller oder Spar und so weiter, aber trotzdem die Konsumenten an ein bestimmtes Preisniveau gewohnt sind und dass die Margen so gering sind, dass sie sehr, sehr viel verkaufen müsste und sehr, sehr lang verkaufen müsste, damit es jetzt nur halbwegs ausgeht. Schade. Total!
Speaker 1
05:48 - 06:08
Was macht das mit dir als Gründungsberater und anders formuliert, was hat das mit ihrer Geschäftsidee gemacht? Es war eines der wenigen Male, wo ich gesagt habe, ich glaube es ist besser, diese Gründung nicht zu verfolgen. Weil einfach die Alternativen nicht gegeben sind. Es geht sich einfach nicht aus.
Speaker 1
06:08 - 06:20
Egal wie man es dreht und wendet, egal wie man es rechnet, das ist nicht das, was Sie wollen. Ja, sie wollen das nicht. Und sie hat das auch vollkommen eingesehen. Nein, sie hat sich das ganz anders vorgestellt.
Speaker 1
06:20 - 06:32
Also sie ist schon gerne im Lokal, aber sie würde auch gerne am Wochenende frei haben. Und vielleicht nicht den ganzen Tag von 8 bis 20 Uhr dort stehen. Sondern sie hat sich das anders vorgestellt. Aber die Zahlen geben es eben nicht her.
Speaker 1
06:32 - 06:57
Also es würde sich nicht rechnen. Es ist nicht möglich. Und da, wie gesagt, war schweren Herzens, habe ich dann gesagt, ich glaube, Da verlaufen wir uns, wenn man diese Geschäftsidee weiterverfolgt, so sinnvoll sie war, so gut sie war und so gut sie vielleicht auch für die ganze Umgebung, für das ganze Grätzl gewesen wäre. Aber das heißt noch lange nicht, dass ein gutes Business daraus wird.
Speaker 1
06:57 - 07:33
Ich hatte so eine ähnliche Story, fällt mir gerade ein. Es war ein Lebensmittelgeschäft, der sozusagen nachhaltig arbeiten wollte im Sinne von weniger Verpackung und du kannst sozusagen einfach diverse Nudelnüsse oder was auch immer es dort gibt, italienische Waren hätten dort verkauft werden sollen, aber dass du dir das quasi selbst mitnehmen kannst. Es gibt dafür einen Begriff. Er fällt mir auch nicht ein.
Speaker 1
07:33 - 07:59
Also eine Bezeichnung, wie man das sozusagen dazu sagt, dass du dir das selber bestücken kannst und diese Verpackungen eher offen sind. Und auch da ist es quasi auf ein ähnliches Ergebnis rausgelaufen, weil der wollte das alleine machen, komplett alleine. hat natürlich vielleicht seine Verbindungen und Netzwerke schon gehabt, um zu diesem Wahn zu kommen. Das war durchaus positiv.
Speaker 1
07:59 - 08:48
Das heißt, da war auch schon eine Überlegung in Richtung Geschäftslokal da und so weiter, wo er das gerne machen möchte. Aber in meinem Fall ist es dann auch mehr in die Richtung des Zeitmanagements gegangen, wo man dann gesagt hat, naja, er ist eigentlich Familienvater und möchte natürlich auch für seine Familie da sein, möchte das wirklich komplett alleine machen, ohne irgendwelche Mitarbeiter angestellt und ich habe dann einfach simple Fragen gestellt, wer soll denn bestellen, wer soll denn das Geschäftslokal putzen, reinigen, aufbereiten und selbst wenn es irgendwelche Marketingmaßnahmen sind, weil er anlassbezogen ein bisschen umgestellt oder undekoriert oder wie auch immer. Das heißt, wenn er jetzt für die Beratung im Shop sein möchte, müsste es auch jemanden geben, der verkauft.
Speaker 1
08:48 - 09:12
Also es hat immer wieder Lücken gegeben, wo man gesagt hat, naja, schau dir das nochmal an. Und unter dem Aspekt, dass er gesagt hat, Er würde das und das gerne verdienen. Und als Familienvater sind wir auch auf das gleiche Ergebnis rausgekommen, dass man da einfach ehrlich sagen hat müssen, das ist nicht der Weg. Das bringt dich nicht ans Ziel, sondern das stürzt dich eher in eine andere Geschichte hinein.
Speaker 1
09:12 - 09:32
Ja, genau. Ich glaube, das ist das, was uns auch so wichtig ist in unseren Beratungen, dass wir wirklich schauen, ob dieses Geschäftsmodell und Lebensmodell wirklich zusammenpassen. Ich glaube, das ist der Kern dieser Stories. Ja, dass man sagt, jede Geschäftsidee kann noch so gut durchdacht sein.
Speaker 1
09:32 - 10:07
Wichtig ist sie sozusagen auch mal mit dem aktuellen Lebensmodell ein bisschen zu challengen. Anderes Beispiel, anderer Kontext. Ich hatte sozusagen eine Unternehmensberaterin, die sich selbstständig machen wollte mit ihren Themen, wo ich dann auch gesagt habe, taugt Ihnen das, immer woanders zu übernachten, in unterschiedlichen Hotelzimmern, irgendwo in Österreich, Deutschland, Schweiz, Dachraum generell. Ich weiß ja nicht, wie weit sie gedacht hat, wo sie ihre Kunden findet, aber dass sie halt da quasi öfters unterwegs ist, auf Reisen ist.
Speaker 1
10:07 - 10:41
Na ja, wenn Sie mich so fragen, eigentlich nicht, weil Lebensmittelpunkt hier und Ich bin gerade umgezogen und habe mich neu gesättelt. Gut, dann ist vielleicht diese Art des Vorhabens auch nicht ideal. Genau, diese Geschäftsidee ist es nicht. Sie hatte halt den Vorteil, dass man sozusagen mit ein paar Maßnahmen oder Umdenken vielleicht auch ein Online-Setting… weniger Reisezeiten hat etablieren können, aber so wie bei den vorherigen Geschichten mit einem Lebensmittel, da ist auch ein anderes Investier damit verbunden.
Speaker 1
10:41 - 11:04
Ja klar, klar. Also dann auch die laufende Miete zu tragen, du musst mal eine Grundausstattung sorgen an Waren und so weiter. Also das ist ja sozusagen nicht so einfach adaptierbar und da muss man sich natürlich doppelt gut überlegen, ob das wirklich der Weg zum Ziel ist. Ich glaube, man muss sich generell überlegen, wenn man sich selbstständig macht, das hat viele Vorteile, aber ich glaube, man muss sozusagen das gesamte Spektrum sehen.
Speaker 1
11:04 - 11:14
Also was hole ich mir damit ins Haus? Also dieses Business hat auch einen Preis. Es ist wie ein kleines Kind. Das ist bedürftig.
Speaker 1
11:14 - 11:23
Das braucht, das verlangt Aufmerksamkeit. Das braucht Aufmerksamkeit und das fordert das auch ein. Und wenn man es dem nicht gibt, dann verkümmert das Business. Ja, genau.
Speaker 1
11:25 - 11:40
Und für dieses Kümmern müssen Ressourcen da sein. Die müssen jetzt frei sein, damit man sie überhaupt geben kann. Und wenn das fraglich ist, dann muss man wahrscheinlich sagen, das müssen wir anders lösen. Aber es ist so wichtig, das zu challengen oder sich das anzuschauen am Anfang.
Speaker 1
11:40 - 11:57
Absolut. Wir haben es auch oft erlebt. dass es nicht gemacht wird, sondern dass dann schon Gründer vor uns sitzen, die, ich weiß nicht, vielleicht schon ein, zwei, drei Jahre in der Selbstständigkeit sind und sich dann vielleicht solche Kernfragen stellen oder halt selbst schon das Ahnen. Ja, weil der Leidensfluch schon sehr groß ist.
Speaker 1
11:57 - 12:17
Ja, genau. Und am schlimmsten ist es sozusagen, wenn vielleicht vor so einem Gespräch schon riesige Summen bewegt wurden, weil Geschäftslokal, Einrichtung etc. Also, das hat halt dann einen viel höheren Preis, als es vielleicht haben müsste. Ja, absolut. Ja, das ist immer tragisch.
Speaker 1
12:18 - 12:31
Naja, liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn du jetzt auch das Gefühl hast, dass du mit einem klaren Blick von uns... Einen Satz noch dazu, weil es mir noch einfällt. Na bitte. Es ist wichtig, mit wem redest du.
Speaker 1
12:33 - 13:01
Die Leute, die dich auf diese Idee gebracht haben, ein anderer Unternehmer oder wie auch immer, den du beobachtet hast, der wird dir wahrscheinlich keine kritische Sicht auf die Dinge geben. Und auch sein Leben ist wahrscheinlich anders. Und Familienangehörige oder Freunde, Bekannte, wie es ja oft so ist, die sagen, ja, super Idee und du beschäftigst dich doch eh schon so lange damit und machst doch einfach und das bist du und ich sehe dich dort. Der hat vielleicht auch noch nie mit den Zahlen auseinandergesetzt.
Speaker 1
13:01 - 13:25
Mag was Wichtiges dran sein, aber ist das sozusagen wirklich derjenige, der notwendige Erfahrungen mit reinbringt oder so wie du sagst, sich mal hinsetzt und man rechnet gemeinsam das wirklich mal durch? Ja. Ja, das stimmt. Aber es gäbe viele Stellen in Wien, Österreich, die es unterstützen könnten.
Speaker 1
13:25 - 13:40
Und wenn du willst, sind es wir. Wir bieten kostenlose Gründungschecks ab. Da bringen wir einige Erfahrungen mit. Und wir würden auch mit dir, wenn du das möchtest, über dein Geschäftsmodell und dein Lebensmodell mal ein bisschen draufschauen.
Speaker 1
13:40 - 13:46
Genau. Ansonsten, Camillo? Ja, war's das für heute, denke ich. Richtig.
Speaker 1
13:46 - 13:58
Wir hören uns nächste Woche zu einer weiteren Folge von Leer und Gründen. Wieder mit einem Spaziergang. Wahrscheinlich, ja. Und bis dahin, macht es gut und bleibt leer.
